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60 Jahre 2CV
Erst Kartoffeltransporter, später Uni-Zubringer: Die nur neun
PS starke Ente, der Zweizylinder von Citroën, hat im Laufe
ihrer Geschichte eine Metamorphose durchfahren - vom Fortbewegungsmittel
zur rollenden Weltanschauung. Dass es auch serienmäßige
Allrad-Gelände-Enten gab, wissen die wenigsten.
Geschichte wiederholt sich, sagt man. Und manchmal sieht es tatsächlich
so aus: Derzeit wird wieder verstärkt vom Billigauto gesprochen
- Experten sehen solche Fahrzeuge als großen Trend der nahen
Zukunft. Es geht dabei um Autos, die nicht nur in Entwicklungsländern
für wenig Geld Mobilität garantieren und Menschen Nutzwert
für den Transport von Familien oder Waren bieten, ohne einen
"Premium"-Anspruch in Verbindung mit entsprechenden Preisen
geltend zu machen. Im Grunde keine schlechte Idee, allerdings auch
keine neue.
Ähnliches hatte in Frankreich der Autobauer Citroën schon
im frühen 20. Jahrhundert vor. Das Ergebnis dieser Bemühungen
wurde vor nunmehr 60 Jahren erstmals öffentlich präsentiert
und ist heute schon eine Legende: der 2CV, gesprochen "Döschewo",
meistens einfach Ente genannt.
Als Citroën am 7. Oktober 1948 auf dem Pariser Automobilsalon
die Premiere des kleinen 2CV feierte, war die Idee dahinter schon
mehr als 20 Jahre alt. Denn der Gedanke an ein simples Auto für
die Franzosen soll schon Mitte der 20er Jahre entstanden sein. Damals
blickte den Überlieferungen zufolge ein Mann namens Pierre
Boulanger aus den Fenstern seines schönen Hauses auf die Straßen
- und was er sah, brachte ihn ins Grübeln. Vor allem die Bauern
brachten seinerzeit ihre Waren noch mit von Hand gezogenen Karren
zu den Märkten. Wer etwas mehr Geld hatte, der leistete sich
immerhin ein Pferdefuhrwerk.
Also kam Boulanger auf den Gedanken, dass man doch ein praktisches
und günstiges Automobil entwerfen sollte, um der Landbevölkerung
und auch anderen Kunden eine Alternative bieten zu können.
Die Sache hatte nur einen Haken: Boulanger arbeitete bei Michelin,
und dort hatte man es vornehmlich mit Reifen zu tun - nicht mit
kompletten Autos. Das Schicksal allerdings wollte es, dass ausgerechnet
Michelin im Jahr 1934 die Aktienmehrheit an Citroën erwarb.
Mit der Folge, dass Boulanger zu Citroën wechselte und dort
einige Jahre später sogar Vorstandsvorsitzender wurde.
Seine alte Idee hatte Boulanger noch nicht vergessen. Vielmehr
sah er nun eine Chance, sie auch wahr werden zu lassen. Den Ingenieuren
soll er seine Idee mit folgenden Worten skizziert haben: "einen
Wagen, der vier Personen und einen Zentner Kartoffeln oder ein großes
Fass mit einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern transportieren
kann." Und viel kosten sollte das Auto auch nicht.
Also machten sich die Entwickler an die Arbeit. Sie entwarfen nach
und nach die Grundzüge jenes Wagens, der später als Ente
berühmt werden sollte. Von dieser späteren Bezeichnung
wussten sie natürlich noch nichts und machten sich wohl stattdessen
mehr Gedanken darüber, wie sich die Füllung des Enten-Bauches
mit dem geforderten Zentner Kartoffeln umsetzen ließ.
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