|
Wort des Jahres 2009: Abwrackprämie
Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat am 17. Dezember
2009 die Wörter des Jahres 2009 gewählt. Der Jury gehörten
der Hauptvorstand und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Sprachgesellschaft an. Ausgewählt wurden wie
in der Vergangenheit Wörter und Ausdrücke, die die öffentliche
Diskussion des Jahres besonders bestimmt haben, die für wichtige
Themen stehen oder sonst als charakteristisch erscheinen. Es geht
nicht um Worthäufigkeiten, sondern um eine sprachliche Chronik
des zu Ende gehenden Jahres. Auch ist mit der Wortauswahl keine
Wertung bzw. Empfehlung verbunden.
Zugrunde lag eine Sammlung von Wörtern und Wendungen, bei
der Zuschriften an die GfdS berücksichtigt wurden.
Als Wort des Jahres wurde Abwrackprämie gewählt.
Dieser Ausdruck war seit Anfang des Jahres in der öffentlichen
Diskussion präsent und verbreitete sich weit über die
von der Bundesregierung beschlossene Maßnahme in zahlreichen
Zusammenhängen.
Auf die zweite Position wählte die Jury den Ausdruck kriegsähnliche
Zustände. Dieser Ausdruck ist ein vorläufiges Ergebnis
einer schon länger andauernden Debatte darüber, wie der
Einsatz deutscher Bundeswehrsoldaten in Afghanistan bezeichnet werden
sollte. Lange Zeit war trotz bewaffneter Gefechte und Todesopfern
von einem »Stabilisierungseinsatz« die Rede, nun wurde
die Nähe zu einem Krieg in die genannte Wendung gefasst.
Die Schweinegrippe auf Rang 3 hat sich bislang als weniger bedrohlich
erwiesen als befürchtet, war aber gleichwohl auch im
Zusammenhang mit Impfaktionen und dem damit verbundenen Pro und
Contra im Laufe des Jahres dauerhaft im Gespräch.
Auf Rang 4 steht die Bad Bank, auch eingedeutscht als schlechte
Bank belegt, die es den durch die Finanzkrise in Schwierigkeit geratenen
Geldinstituten erlauben soll, ihre Bilanzen durch Auslagerung schlechter
Papiere in eine Bad Bank zu bereinigen.
Mit dem Weltklimagipfel in Kopenhagen findet sich auf Rang 5 ein
Wort aus dem Bereich Ökologie, der zum Jahresende in der öffentlichen
Wahrnehmung wieder an Bedeutung gewonnen hat.
Bereits im frühen Herbst ergab sich der Anlass, den Satz Deutschland
ist Europameisterin (Rang 6) zu prägen. Damit würdigte
ein Sponsor der Frauenfußballnationalmannschaft den Erfolg
bei der Europameisterschaft im September.
Auf Rang 7 wurde das Verb twittern gewählt, also die Kommunikation
über die Internetplattform Twitter, eine Tätigkeit, die
mehr und mehr an Bedeutung gewinnt und im Jahr 2009 auch wiederholt
in der breiteren Öffentlichkeit diskutiert wurde, als Prognosen
und Wahlergebnisse über diese Plattform vorzeitig gemeldet
wurden.
Mit dem Ausdruck Studium Bolognese (Rang 8) soll auf die Missstände
aufmerksam gemacht werden, denen Studierende an deutschen Universitäten
durch die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge (Stichwort:
Bologna-Prozess) ausgesetzt sind.
Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz (Rang 9) soll dazu dienen, nach
der Krise einen wirtschaftlichen Aufschwung zu fördern.
Gewissermaßen eine Brücke zwischen der Zeit vor der
Krise und der danach schlägt die Wendung, die den Abschluss
der diesjährigen Rangliste bildet: Haste mal ne Milliarde?
In ironischer Weise wird hier das im Rahmen der Finanzkrise üblich
gewordene Reden über Geldbeträge von Milliarden mit der
in Fußgängerzonen oder Bahnhofseingängen häufig
zu hörenden Frage verschmolzen, die bereits in Zeiten der D-Mark
in der Form »Haste mal ne Mark?« bekannt war und
in der Form »Haste mal nen Euro?« später
noch Verbreitung fand.
1. Abwrackprämie
2. kriegsähnliche Zustände
3. Schweinegrippe
4. Bad Bank
5. Weltklimagipfel
6. Deutschland ist Europameisterin
7. twittern
8. Studium Bolognese
9. Wachstumsbeschleunigungsgesetz
10. Haste mal ne Milliarde?
Zur Erinnerung:
Das Wort des Jahres 2008: Finanzkrise
Das Wort des Jahres 2007: Klimakatastrophe
Das Wort des Jahres 2006: Fanmeile
Quelle : Gesellschaft
für Deutsche Sprache
|