Herz-Jesu-Kirche
wird die neue Nummer 1
Ein Jahr nach der Wiedereröffnung der renovierten Herz-Jesu-Kirche
am Stühlinger Kirchplatz und der Benennung des Amalie-Gramm-Wegs
bekommt das Gotteshaus nun auch eine neue Adresse: Amalie-Gramm-Weg
1.
Durch die Namensgebung für den Fußweg, der zwischen Engelbergerstraße
und Wannerstraße über den Platz verläuft, wurde
die Umnummerierung des Anwesens der Kirche notwendig. Bislang zählte
das Kirchengebäude als Klarastraße 63 (die Klarastraße
stößt im östlichen Teil des Kirchplatzes von beiden
Seiten an den Kirchplatz).
Das Erbe der Stifterin Amalie Gramm (1841 bis 1906) hatte die 2008
abgeschlossene Kirchenrenovierung mit ermöglicht. "Mehr
als 100 Jahre nach ihrem Tode hat die großherzige Stifterin
der Herz-Jesu-Kirche nun auch den verdienten Eintrag in das Straßenregister
der Stadt Freiburg erhalten", so Gerti Müller vom Pfarrgemeinderat.
Die neue Hausnummer wird am Samstag, den 1. August, um 10.30 Uhr
angebracht.

Pfarrer Hansjörg Rasch und die Stiftungsräte
Gerti Müller und Michael Reinmuth in Aktion
zu Amalie Gramm, von Gerti Müller:
Maria Katharina Amalie Gramm wurde am 1. Februar 1841 in Freiburg
geboren und am selben Tag in der Dompfarrei getauft. Sie war das dritte
Kind und die einzige Tochter von Johann Baptist Gramm und Walburga
Amalie geb. Phrr. Die Eltern stammten aus bekannten Freiburger Familien.
Über Kindheit und Schulausbildung von Amalie ist bisher nichts
Genaueres bekannt. Sie wuchs sicherlich als sogenannte höhere
Tochter auf und bekam die damals übliche Ausbildung.
Ihrem Wunsch ins Kloster einzutreten, wurde nicht stattgegeben,
wohl auch, weil der älteste Sohn Johann Ignaz August in den
Jesuitenorden eintrat. Der zweite Bruder Johann Baptist gründete
mit Emma Filling eine Familie.
Nach dem Tod der Eltern war Amalie eine wohlhabende Frau. Gemeinsam
mit ihrem Bruder und dessen Familie lebte sie im elterlichen Haus
in der Kaiserstraße 13, heute Habsburgerstraße/Ecke
Bernhardstraße. Das Anwesen muss sich bis an die Karlstraße
erstreckt haben. Das heutige neue Stadthotel Kolping ist auf dem
ehemaligen Grammschen Garten errichtet.
Ins Kloster durfte Amalie nicht eintreten, aber mit ihrem Erbe
wollte sie Gutes tun. Und das tat sie reichlich. Sie hinterlegte
aus ihrem Erbe von mindestens 1 Million in Aktien 150.000 Goldmark
bei der damaligen Gewerbebank und bestimmte, dass das Geld nur dann
zur Verfügung stand, wenn noch im selben Jahr (1892) mit dem
Bau einer dritten Kirche in Freiburg begonnen würde. 1897 konnte
die Herz-Jesu-Kirche feierlich eröffnet werden. In der Festschrift
ist sie namentlich nicht erwähnt, es ist nur die Rede von einer
ungenannten großherzigen Stifterin.
Im Testament von Amalie Gramm aus dem Jahre 1893 sind als Vermächtnis
weitere 200.000 Mark für die Herz-Jesu-Kirche genannt, mit
der Bitte einmal im Monat eine Messe für die Stifterin und
alle Wohltäter zu lesen.
Dieses testamentarisch festgesetzte Vermächtnis war das Kapital,
aus dessen Zinsen der Unterhalt des Pfarrers und der Vikare bestritten
werden sollte. Mit diesem Kapital wurden die Herz-Jesu-Pfarrpfründe
und der Vikariatsfonds gegründet. Bereits zu Lebzeiten überlies
Amalie Gramm der Pfarrei Grundstücke in Kenzingen.
Die Gesamtausgaben für den Bauplatz, den Bau, die Einrichtung
und Ausschmückung der Kirche im Stühlinger beliefen sich
damals auf etwa 1 Million Mark. Genau diese Summe musste heute in
Euro für die Innensanierung und Renovierung aufgebracht werden
und auch da hat Amalie Gramm, die großherzige Stifterin und
Gönnerin der Herz-Jesu-Kirche wieder geholfen.
Mehr als 100 Jahre nach dem Tod der am 2. Januar 1906 verstorbenen
Gönnerin konnte die Pfarrei aus dem Erlös des Verkaufs
von Baugrundstücken in Kenzingen ein Drittel der Renovierungskosten,
die sich auf 1 Million Euro belaufen, erlösen.
Amalie Gramm war die Vorsitzende des Paramentenvereins, der liturgische
Gewänder herstellte und bestickte. In der Stiftungsakte von
Herz-Jesu, die sich im Erzbischöflichen Archiv befindet, gibt
es eine Urkunde die zeit, dass sie auch für liturgische Gewänder
und liturgische Geräte für die Kirche, wie Messkelche
und dergleichen spendete.
Jeden Sonntag lud Amalie Gramm in Freiburg tätige Dienstmädchen
in ihr Haus ein. Sie stellte Stoffe und Garn zur Verfügung
und sorgte dafür, dass sich die Mädchen an ihrem freien
Nachmittag ihre Aussteuer nähen konnte.
Für die St. Ursula-Schule, die wir wohl alle kennen, war sie
die große Gönnerin. Amalie Gramm kaufte das Haus in der
Eisenbahnstraße 45 und stellte es den Ursulinen für eine
konfessionelle Schule zur Verfügung. Um nicht die alleinige
Gesellschafterin zu sein hat sie Anteile an andere Personen abgetreten.
Genannt im Gesellschaftervertrag ist sie als Geschäftsführerin
der Schule.
In ihrem 1893 errichteten Testament hat sie zunächst ihre
Geschwister, dann die Herz-Jesu-Kirche und an dritter Stelle die
Schule bedacht. Darüber hinaus erhielten viele andere Einrichtungen
und Personen unterschiedliche Beträge aus ihrem Nachlass.
Es war mir eine Herzensangelegenheit mich dafür einzusetzen,
dass nach Amalie Gramm, dieser großherzigen Stifterin und
Wohltäterin eine Straße, ein Weg oder ein Platz benannt
wird. Froh und stolz bin ich, dass es mir gelungen ist, in Zusammenarbeit
mit Bürgermeister von Kirchbach die Benennung dieses Weges
recht schnell und unbürokratisch zu erreichen. Allen, die mir
dabei behilflich waren und mich auf der Suche nach Unterlagen über
das Leben und Wirken von Amalie Gramm unterstützt haben, danke
ich ganz, ganz herzlich.
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