| Cäsium-Atomuhr
ist 50 geworden
Vor fünfzig Jahren nahm die erste Cäsium-Atomuhr ihren
Betrieb im britischen National Physical Laboratory auf. Entwickelt
hatte sie seinerzeit der englische Physiker Louis Essen. Cäsium-Atomuhren
haben eine Ganggenauigkeit von bis zu einem Zehntel einer Milliardsten
Sekunde und erfüllen damit die hohen Anforderungen an exakte
Zeitmessungen, wie sie etwa bei physikalischen Experimenten oder
der Positionsbestimmung per GPS (Global Positioning System) erforderlich
sind.
Es könnte so einfach sein: "Zeit ist das, was man auf
der Uhr abliest", lautet Albert Einsteins eingängige Definition,
dessen 50. Todestag in diesem Jahr an die Bedeutung der Zeit im
Alltag erinnert. So einfach ist es aber nicht, denn Zeit lässt
sich nicht nur objektiv messen, sondern auch subjektiv erleben.
Sie gibt Orientierung im gesellschaftlichen Miteinander. Ohne Zeit
gäbe es keine Werk-, Sonn- und Feiertage. Ohne Zeit ließen
sich Tag und Nacht nur durch Hell und Dunkel unterscheiden. Warum
ein achtstündiger Arbeitstag mal als unendlich lang empfunden
wird und mal wie im Fluge zu vergehen scheint, hängen von Umfang
und Art der Arbeit ab. Ist sie langweilig, schleppt sich die Zeit
nur so dahin, ist sie spannend und herausfordernd, läutet unversehens
die Feierabendglocke, noch bevor man daran gedacht hat.
Zeit im objektiven Sinne hingegen ist messbar. Sie dient als Maß
für die Dauer eines Geschehens und der Bestimmung von Beginn
und Ende eines Ablaufs. In der Physik ist die objektive Zeit eine
der grundlegenden Größen, über die sich neben der
Dauer von Vorgängen auch die Reihenfolge von Ereignissen angeben
lassen. Ob subjektiv oder objektiv, Zeit ist etwas Naturgegebenes.
Davon zeugt, dass wiederkehrende Abläufe in der Natur seit
jeher als Maßstab für die Zeit herhalten mussten: Tag
und Nacht etwa, Ebbe und Flut oder die Jahreszeiten.
Noch bis Ende der Sechzigerjahre beschrieb man die Sekunde als
86.400sten Teil eines mittleren solaren Tages. Ein solarer Tag ist
verstrichen, wenn die Sonne sich vom einem höchsten Stand am
Himmel zum nächsten bewegt hat. Oder anders ausgedrückt:
wenn die Erde sich einmal um die eigene Achse gedreht hat -- was
der Erdbewohner als den Tag wahrnimmt. Allerdings rotiert die Erde
alles andere als gleichmäßig, bedingt durch die Gravitationskräfte,
die die Sonne, der Mond und die anderen Planeten ausüben. Das
macht den solaren Tag als Maßeinheit unbrauchbar. Mehr Genauigkeit
bei der Zeitmessung verspricht das so genannte tropische Jahr, das
die elfte Conférence générale des poids et
mesures (CGPM) im Jahr 1960 von der International Astronomical Union
(IAU) als neues Zeitmaß übernahm. Es beschreibt die Dauer
von einer Frühlings-Tag-Nacht-Gleiche zur nächsten. Dieser
Tag fällt auf den 20. oder 21. März, wenn die Sonne auf
dem Weg von Süden nach Norden auf ihrer Ekliptik den Himmelsäquator
durchschreitet. Wenn auch genauer als der solare Tag, ist das tropische
Jahr immer noch zu ungenau, um feinstauflösende Zeitmessungen
durchzuführen.
Die CGPM als Hüterin über das internationale Einheitensystem
(Système International d'Unités, SI) hat daher in
ihrer von 1967 bis 1968 dauernden 13. Sitzung festgelegt, dass eine
Sekunde 9.192.631.770 Schwingungsperioden der Strahlung des Cäsium-133-Atoms
dauert. Genauer gesagt, ist die Sekunde das 9.192.631.770-fache
der Periodendauer der dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus
des Grundzustandes von Atomen des Nuklids 133Cs entsprechenden Strahlung
-- im Jahre 1997 ergänzt durch die Feststellung, dass sich
das Cäsium-Atom bei 0 Kelvin in Ruhe befinden muss.
In Deutschland hütet die Physikalisch-Technische Bundesanstalt
(PTB) die Uhrzeit. Die PTB-Zeit ist derart genau, dass sie zu 80
Prozent in die Weltzeit UTC (Universal Time Coordinated) einfließt.
Funkuhren für den Nachttisch oder das Handgelenk etwa empfangen
das PTB-Zeitsignal über den Langwellensender DCF77 von der
Sendestation Mainflingen bei Frankfurt.
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